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Das Rollgiermoment
Will man ein Flugzeug um die Längsachse drehen (rollen), wird das
Querruder ausgelenkt. Dies wirkt wie eine ErhÖhung (Erniedriegung des
Anstellwinkels der Flügelhälften.
Dies bewirkt über folgende 2 Mechanismen ein Drehmmoment um die
Hochachse (das "Rollgiermoment"):
- Der induzierte Widerstand (d.i. der Widerstand, der durch
Auftriebserzeugung entsteht) des höher angestellten Flügels ist
größer als der des geringer angestellten Flügels.
- Beginnt das Flugzeug zu rollen, wird der nach unten (oben)
bewegte Flügel hierdurch eine Anströmkomponente von unten (oben)
bekommen und hierdurch nach Vorne (Hinten) beschleunigt (Segeln hoch
am Wind).
Beide Punkte werden im Folgenden etwas ausführlicher betrachtet.
Hierbei wird vereinfacht, dass Fluegel
Auftrieb dadurch erzeugen, dass
sie anströmende Luft senkrecht zu ihrer Anströmrichtung nach unten
ablenken. Die Gegenkraft hierzu ist der Auftrieb.
Der Auftrieb wird größer bei Anstellwinkelerhöhung.
Im Folgenden wird durch die grünen Pfeile ausschließlich die Ablenkung
der Strömung skizziert, beim Flugzeug wird die Strömung jedoch nicht
nur reflektiert sondern sie folgt der sanft gewölbten
Profil(ober)seiten, wird dabei oben stark beschleunigt und nach unten
abgelenkt.
Mehr dazu gibts auf der Auftriebsseite
sowie unter
Mehr zum Thema.
- Der induzierte Widerstand
Wird beim nicht rollenden Flugzeug Querruder ausgeschlagen, wird der
Auftrieb am Flügel mit Ruderausschlag nach unten (oben) größer
(kleiner), siehe Bild mitte (rechts).
Auftrieb ist jedoch kein Geschenk des Himmels sondern wird mit
Widerstand erkauft:
-
Zum Beschleunigen der Luft nach unten wird
Leistung (= Kraft⋅Geschwindigkeit) verbraucht.
Die Kraft ist gleich Flugzeuggewicht, die Geschwindigkeit die
Vertikalgeschwindigkeit der durch den Flügel abgelenkten Luft.
-
Diese Leistung muss der Vortrieb (Motor, Gleitwinkel) aufbringen.
Er bringt das Flugzeug auf Reisegeschwindigkeit und überwindet
hierzu die Reibungskraft, deren Produkt die gesamte Antriebsleistung
ist.
Der Teil der Antriebsleisung, der die Auftriebsleistung kompensiert,
heißt "induzierte Leistung", die hierzu gehörende Widerstandskraft
(induzierte Leistung/Fluggeschwindigkeit) ist der "induzierte
Widerstand".
Bei sonst gleichen Verhältnissen steigt (sinkt) der induzierte
Widerstand bei langsamen (schnellem) Flug, weil für den gleichen
Auftrieb der Anstellwinkel vergrößert (verkleinert) wird.
Somit erfährt das Flugzeug ein Giermoment in Richtung der
nach oben beschleunigten Fläche goßer Anstellung (siehe auch
A
Physical Description of Flight, Abschnitt "Lift requires
Power").
Bei Flügeln mit endlicher Spannweite entstehen durch die
Druckunterschiede zwischen Flügeloberseite und -unterseite
Randwirbel, deren Achse in Flugrichtung zeigt und die sich in
Flugrichtug gesehen rechts (links) gegen (im) Uhrzeigersinn drehen.
Diese erzeugen auch auftriebsabhängigen Widerstand (mehr Widerstand
bei größerem Auftrieb), werden jedoch versucht, z.B. durch große
Flügelstreckung und Winglets zu minimieren.
- Segeln hoch am Wind
Ist das Flugzeug in konstanter Rollbewegung (Rote Pfeile, konstante
Winkelgeschwindigkeit um die Längsachse), so gibt es kein Drehmoment
um die Längsachse mehr (Widerstände gegen die Rollbewegung bleiben
hier zunächst unberücksichtigt). Daher muss die Beschleunigung der
anströmenden Luft bei unterschiedlicher Flügelanstellung gleich
sein (Bild, blaue Pfeile).
Auch die induzierte Kraft ist hier auf für beide Flügel gleich.
Beim Rollen ist jedoch die Anströmrichtung des nach oben (unten) bewegten
Flügels großer (kleiner) Anstellwinkel schräg von oben (unten).
Durch diese Anströmrichtung bekommt die vom Flügel beschleunigte
Luft eine Komponente nach vorne (hinten).
Die Gegenkraft hierzu ist dann ein Giermoment, Drehen der Nase in
Richtung des Flügels größerer Anstellung.
Dies beschreibt bei gegebener Fluggschwindigkeit
die maximale erreichbare Rollgeschwindigkeit bei gegebenem
Ruderausschlag, wenn keine Gegendrehmomente (z.B. durch Reibung)
auftreten und ist in sofern schon unrealistisch, als ein
Querruderausschlag ja nicht einfach eine Anstellerhoehung ist und
der hier ermittelte Anstellwinkel bei größerer Spannweite größer
wird.
Luftwiderstände, die ein Gegenrollmoment induzieren, begrenzen daher
die maximale Rollgeschwindigkeit weiter.
Welcher Prozess dominiert
Zur Beantwortung der Frage soll eine Abschätzung der beiden genannten
Giermomente vorgenommen werden:
- Beim "induzierten Widerstand" wird ein
Flugzeug mit 500kg Gesamtmasse angenommen, dass mit Gleitzahl 25
konstant fliegt. Gleitzahl 25 bedeutet eine
Hangabtriebsbeschleunigung von g/25 (g Erdbeschleunigung) und somit
eine Gesamtreibungskraft von 500kg⋅g/25, oder ca. 200 N.
Sei diese ausschließlich induzierter Widerstand produziert vom
Flügel großer Anstellung allein (Maximalschätzung), bekommt man ein
Drehmoment von ca. 1000 Nm.
- Beim "Segeln hoch am Wind" wird für das gleiche Flugzeug wie bei 1
ein Fluggeschwindigkeit von 30 m/s und eine Rollgeschwindigkeit von 1
Rolle in 3 Sekunden angenommen.
Bei den gleichen 5 m "Spannweite" ist die Umfangsgeschwindigkeit 10 m/s
und somit der Tangens des Anstellwinkels
gleich Umfangs-/Fluggeschwindigkeit und ein Anstellwinkel von ca.
20°.
Bei konstantem Rollen sind somit alle Winkel: Anström-, Abström, und
bes. die netto Beschleunigung der Luft verglichen mit den beiden
Flügeln 20°.
Die Horizontalkomponenten der hierdurch erzeugten Kräfte
auf das Flugzeug sind in beide Richtungen daher
tan(20°)⋅Auftriebskraft oder zusammenaddiert fuer ein 500kg Flugzeug
(oben) 500kg⋅g⋅tan(20°) = 1500 N.
Das hierdurch erzeugte Giermoment ist mit ca. 7500 Nm
daher um ein deutlich größer als das über den
induzierten Widerstand erzeugte.
Die hier genutzten Zahlen dürften eine obere Abschätzung sein, da
ich die angegebene Rollgeschwindigkeit nur bei einem
Kunstflugsegelflugzeug für realistisch halte.
Weil die induzierten Kräfte bei schnellem Flug mit kleinem
Anstellwinkel abnehmen, ist das Rollgiermoment besonders ausgeprägt
bei langsamen Segelflugzeugen, bei denen der Hebelarm (Spannweite)
außerdem größer ist als bei schnellen Motorflugzeugen.
Querruderdifferenzierung
Was hat das Rollgiermoment (das Drehmoment um die Hochachse beim
Rollen) mit der Differenzierung (stärkerer Ausschlag nach Oben) des
Querruders zu tun?
Nach der bisherigen Beschreibung übt jedes Ruder ein Drehmoment um
eine Achse aus.
Bei der Hochachse ist dies das Seitenruder.
Eine sauber geflogene
Kurve soll auch ergänzend zu der
Beschreibung wegen des Rollgiermomentes mit dem Seitenruder
unterstützt werden.
Da (Modell)flieger dies jedoch nicht immer koordinieren können,
wird das Querruder differenziert.
Ausschlagende Ruder erzeugen nicht nur ein Drehmoment (um die
Längsache durch Auftriebsänderung) sondern verursachen zusätzlichen
Luftwiderstand abhängig vom Ruderausschlag nicht von der Richtung.
Bei nicht gleichem Ausschlag der Querruder wird somit ein Giermoment
erzeugt, bei größerem Ausschlag nach Oben fuehrt dieses zu einer
(teilweisen) Kompensation des Rollgiermomentes.
Flugerprobung
von dem prominenten DRMMer R. Z. aus K. (Name von der Redaktion
verändert), der das Alles unglaublich fand und selbst prüfen
musste
Genommen hab ich meinen Chicco, einen Speedflieger mit sym. Profil,
den allseits bekannten Zagi mit S-Schlag-Profil und den Trico, einen
Hangsegler mit weitem Geschwindigkeitsbereich.
Der Chicco ist nicht differenziert, die beiden anderen schon. Beim
Chicco, der mit dem 3,5er MVVS eine Rakete ist, habe ich ich extra ein
Gasservo hinzugebaut, damit man ihn auch mal langsam fliegen kann.
Alle drei Flieger wurden neben normalen Schwerpunktlagen auch mit
extremen Schwerpunktvor- und rücklagen sowie sehr schnell wie auch
sehr langsam in Normalflug- wie auch im Rückenlage ausprobiert. Die
extremen Schwerpunkt- lagen sollten mir das Erreichen ebenso extremer
Anstellwinkel erleichtern - das waren eine Menge Flüge.
Was dabei herausgekommen ist: Bei sym. und S-Schlagprofilen, die ja
auch einen Momentenbeiwert von ~ 0 haben, ist das Rollgiermoment bei
schnellem Flug, also kleinem Anstellwinkel und damit geringer
Auftriebsbelastung in Bauch- und Rückenlage nicht spürbar. Beim Trico
hingegen schon, er fliegt bauartbedingt wenigstens mit einem ca von
0,2. Bei ihm passt eine Differenzierung, die für den schnellen
Hangflug eingestellt wurde, im Langsamflug nicht mehr - sie ist dann
zu wenig. Mit meiner FC28 kann ich die Diff im Flug bequem trimmen und
habs auch für den Langsamflug getan.
Im langsamen Rückenflug wirds dann tatsächlich unglaublich hampelig,
die Diff ist verkehrt herum. Ein unglaublicher Is ja doch so-Effekt
für mich....naja, wer fliegt am Hang schon langsam im Rücken herum,
wenn Herumpeitschen so viel mehr Spass macht. Im schnellen Rückenflug
hingegen fällt die verkehrte Diff allerdings nur dann auf, wenn man
mit Argusaugen beobachtet. Der Windfahneneffekt des Leitwerks scheint
hier bei schnellem Flug das Gieren gnädig zuzudecken.
Beim Zagi wirkt sich das Differenzierungs-Delta zwischen kleinem und
grossem Anstellwinkel, Bauch- und Rückenlage nicht so sehr aus, so
dass man um den Effekt des Rollgiermoments wissen muss, um das
kurzzeitige Hampeln beim Querruderausschlag zu
bemerken. Offensichtlich greift hier die Pfeilung des Nuri
korrigierend ein, sodass ich zugeben muss, dass ein gepfeilter Nuri
nicht zur repräsentativen Darstellung taugt.
Beim Chicco hingegen war´s wie eine Offenbarung: Beim ganz
langsamen Fliegen unter grossen Anstellwinkeln schob der sehr
spürbar, erhöhte man man die Geschwindigkeit jedoch nur wenig, war der
Effekt nahezu weg.
Zusammengestellt von
Wolfgang Kouker, September 2003