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Flugphysik for Beginners

Inhalt


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Einführung

Auf dieser Seite sollen grundlegende Prinzipien des Fliegens für Personen beschrieben werden, die Grundkenntnisse der klassischen Mechanik, besonders der Physik des starren Körpers haben. Nicht erforderlich sind spezielle Vorkenntnisse der Flugzeugphysik. Deshalb wird insbesondere nicht eingegangen auf die Wirkung profilierter Flächen bei der Diskussion der Drehmomentbilanzen. Auch diesbezüglich weiterführende Texte sind bei "Mehr zum Thema" augelistet. Die Liste hat wiederum keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist auch nur bei Erstellung dieses Textes geprüft worden.


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Schwerpunkt, Bewegung und Kraft

Hammer 1 Ein Flugzeug kann weitgehend wie ein beliebiger starrer Körper betrachtet werden. Für seine Bewegung und die angreifenden Kräfte spielt der Schwerpunkt eine zentrale Rolle (markiert beim Hammer rechts mit dem Kreuz): Hammer 2 Ein starrer Körper hat also 6 sog. Freiheitsgrade (Unabhängige) der Bewegung: 3 Richtungen im Raum (Translation) und 3 Drehachsen (Rotation). Die jeweiligen 3 Raumrichtungen und Drehachsen sind weitgehend beliebig, dürfen nur nicht in einer Ebene liegen. Meist wählt man sie so, dass sie senkrecht aufeinander stehen.

Am Körper angreifende Kräfte (schwarzer Pfeil rechts) bewirken im Allgemeinen Beides: eine Rotation und eine Translation. Kenntlich wird dies durch Aufspalten der Kraft in ein Kräftepaar, welches reine Rotation auslöst (grün) und eine im Schwerpunkt angreifende Kraft, die nur Translation bewirkt (blau).


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Tragflügel und Leitwerke

Tragflügel, Seiten- und Höhenleitwerk aber auch Propeller sind Flächen, die beim Fliegen von Luft umströmt werden und dadurch Auftrieb, Steuerung und Antrieb sind. Flaeche 1 Alle Flächen tun dies nach dem gleichen Prinzip: Eine schräg in die Strömung gestellte Fläche (rechts) lenkt die Strömung ab, übt somit eine Kraft auf die Strömung aus. Die Gegenkraft hierzu ist dann je nach Aufgabe der Fläche der Auftrieb, Drehmoment zum Steuern oder der Antrieb. (Mehr zum Auftrieb)

Der Kräfte der Strömung am Flügel sind nicht gleichmäßig über die Flaeche verteilt (Kraftfeld), können aber immer und ohne Einschränkung auf physikalische Eigenschaften des Flugzeugs durch einen einzigen Kraftvektor, dem Druckpunkt (DP, im Englischen besser "centre of pressure") genannt (rot), beschrieben werden. Dies ist ganz analog zum Schwerpunkt und seiner Eigenschaften eines beliebigen starren Körpers. Am DP übt die Strömung insbesondere kein Drehmoment auf den Flügel aus.

Im Folgenden wird angenommen, dass

Im Rahmen dieser Seite bleibt unberücksichtigt, dass es aus aerodynamischen Gründen vorteilhaft ist die Flächen derart zu profilieren, dass die Umlenkung der Strömung möglichst widerstandsarm erfolgt. Dies betrifft im Modellbau im Wesentlichen den Tragflügel, welcher das gesamte Flugzeuggewicht aufnimmt, und den Propeller beim Motorflugzeug. Die Leitwerke sind meist als "geknickte Platte", Dämpfungsfläche und Ruder jeweils eine "ebene Platte", ausgeführt (bei "besseren" Segelflugzeugen nicht mehr).


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Kräfte und Drehmomente am Flugzeug

Anhand der Dreiseitenansicht eines Flugzeugs (rechts) sollen die wichtigsten Kräfte und Drehmomente, die am Flugzeug angreifen, erläutert werden:
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Steuern eines Flugzeugs

Im Abschnitt Kräfte ... wurde gezeigt, dass das Lenken eines Flugzeugs nicht alleine durch Ruderausschläge am Leitwerk erfolgt, da diese zunächst ein Drehmoment verursachen, dass das Flugzeug um seinen Schwerpunkt dreht, zunächst ohne die Flugrichtung zu ändern. Hier geht es nun darum, wie ändert sich die Flugrichtung?


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Das Auf und Ab

Auf und Ab

Steigen und Sinken sind die einfachsten Lenkbewegungen (Oben). Zieht der Pilot in Geradeausflug am Höhenruder (links), dreht sich das Flugzeug um die Querachse, ohne seine Flugrichtung (roter Pfeil) zu ändern (mitte). Dadurch erhöht sich der Anstellwinkel am Tragflügel (d.i., er wird stärker von "unten" angeströmt), wodurch sich der Auftrieb erhöht und das Flugzeug nach oben steigt (rechts). Da der erhöhte Anstellwinkel beim Steiglug mehr Widerstand erzeugt, wird zum Ausgleich entweder die Motorleistung erhöht oder Fahrt geht verloren.

Wird das Höhenruder gedrückt, geschieht genau das Gegenteil, also Sinken.

Hierbei kann sich erneut ein Gleichgewichtsflug einstellen, bei dem i.d.R. jedoch die Flugrichtung nicht parallel zur Längsachse ist, sondern wie im unteren Bild angedeutet, das Flugzeug mit erhöhtem Anstellwinkel und leicht gezogenem Höhenruder fliegt (schiebt).

Besonders deutlich ist dies Flugbild bei einem vollgeladenem Passagierflugzeug am Start: Hier wird ein extremer Anstellwinkel eingestellt, der strömungstechnisch nur durch starke Profilveränderung am Tragflügel möglich ist, um Abheben bei relativ niedriger Geschwindigkeit aber großem Anstellwinkel zu ermöglichen.


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Die Kurve: 1. So nicht!

Kurve, so nicht

Wird in Analogie zum Auf und Ab das Seitenruder betätigt, geschieht im Allgemeinen zunächst nicht viel, ausser das Flugzeug dreht sich um die Hochachse. Die Flugrichtung bleibt und das Flgzeug "giert", weil es am Flugzeug nichts vergleichbares zur Tragfläche beim Auf und Ab gibt, was die beim Kurvenflug auftretenden Zentralkräfte aufnimmt.

2-Achs gesteuerte Modellflugzeuge ohne Querruder haben zur Unterstützung des Kurvenfluges entweder eine stark v-förmige oder eine gepfeilte Tragfläche.


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Die Kurve: 2. Der Klassiker

Kurve klassik

Da es mit dem Seitenruder nun mal nicht getan ist, wird bei der klassischen Kurve das Auf und Ab vorgetäuscht: Zunächst wird das Flugzeug mit dem querruder schräg gestellt (Rollen). Als unerwünschte Nebenerscheinung erzeugt das Querruder zusammen mit Auftrieb auch ein Drehmoment um die Hochachse, das Rollgiermoment. Die Schwerkraft und Auftriebskraft alleine (rote Pfeile) heben sich nun nicht mehr auf, sie wollen das Flugzeug über die nach unten hängende Fläche abrutschen lassen.

Wird nun am Höhenruder gezogen, wird die nun schräg zeigende Auftriebskraft erhöht (siehe Auf und Ab), wodurch sowohl das Abgleiten über die nach unten zeigende Fläche verhindert wird wie auch durch die nach innen zeigende Komponente eine Kurve eingeleitet wird. Im Gleichgewicht der sauber geflogenen Kurve wird daher die Schwerkraft und Zentrifugalkraft des Kurvenfluges (grün) durch die Auftriebskraft ausgeglichen.

Die Schräglage des Flugzeugs zum Kurvenflug ist also genauso notwendig wie beim Fahrradfahren. Im Folgenden werden 2 Varianten vorgestellt, die dies indirekt bewirken.


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Die Kurve: 3. Die V-Form der Tragfläche

V-Form

Besonders Flugmodelle haben oft eine ausgeprägte V-Form in der Tragfläche. Betrachtet man den Flügel genau von vorn, sieht er aus wie oben links. Hier ist die gelbe Fläche die durch den Anstellwinkel sichtbare Flügelunterseite, die Nasenleiste ist als rote Linie angedeutet.

Wird der Fluegel nun um die Hochachse (grüner Pfeil) mit der Nase nach rechts gedreht und das Flugzeug beginnt zu gieren (siehe so nicht), sieht der Flügel aus der Flugrichtung betrachtet aus, wie im Bild rechts: Der in Blickrichtung nach rechts zeigende Flügel hat gegenüber der anströmenden Luft (Blickrichtung) einen größeren Anstellwinkel, wodurch das Flugzeug ein Rollmoment nach rechts in Flugrichtung erfährt, wonach wie beim Klassiker die Kurve geflogen wird.


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Die Kurve: 4. Gepfeilte Tragflächen

Pfeilung

Sind die Tragflächen gepfeilt, wird das Seitenruder betätigt und das Flugzeug beginnt zu gieren, stellt die kurvenäußere Fläche in Strömungsrichtung eine größere Spannweite in die Strömung als die Innenliegende. Damit erhält das Flugzeug wieder ein Rollmoment nach links wonach die weitere Kurve wie beim Klassiker geflogen wird. Die Stärke des Effektes ist jedoch nicht nur durch die Pfeilung bestimmt sondern auch vm aktuellen Auftrieb abhängig.


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Flugstabilität, auch Aerodynamische Stabilität

In der Physik ist ein System im stabilen Gleichgewicht, wenn es selbsttätig bei (kleinen) Auslenkungen vom Gleichgewicht wieder zum Gleichgewichtszustand zurückkehrt. Bei Flugzeugen gilt dies für spontane Drehbewegungen um alle Achsen sowie die Fluggeschwindigkeit (Translation vor-, zurueck).


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Drehungen um die Hochachse

Dreht sich ein Flugzeug spontan, d.h. ohne Seitenruderausschlag um die Hochachse, ändert sich die Flugrichtung nicht, so dass das Setenruder seitlich angestroemt wird und das Flugzeug wieder gerade dreht (siehe Abschnitt Die Kurve, so nicht).


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Drehungen um die Längsachse

Dreht sich ein Flugzeug spontan um die Längsachse (Rollen), stabilisiert die V-Form des Tragflügels:
  1. Hierdurch wird die effektiv tragende Fläche der hängenden Flügelhälfte größer als die der nach oben geneigten Flügelhälfte (rechts). Wegen der Unterstützung des Kurvenfluges und dieser stabilisierenden Wirkung haben im Modellbau Anfängerflugzeuge oft eine ausgeprägte V-Form. Dort wird dann auch auf das Querruder verzichtet.
  2. Das Flugzeug gleitet über die hängende Fläche seitlich nach unten ab (siehe Die Kurve: 2. Der Klassiker), wodurch das Flugzeug eine seitliche Anströmkomponente bekommt. Hierdurch erzeugt der hängende Flügel durch Anstellwinkelerhöhung wie bei Die Kurve: 3. Die V-Form der Tragfläche mehr Auftrieb, das Flugzeug wird zurückgedreht.


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Die Querachse und die Fluggeschwindigkeit

Hier wird zunächst angenommen, das Höhenruder trägt zwar zur Drehmomentbilanz nicht jedoch zur Auftriebsbilanz bei. Begründet wird dies durch die kleine Auftriebskraft des HLW im Verhältnis zum TF, die jedoch wegen des langen Hebelarmes zu vergleichbaren Drehmomenten führt. Die Flugstabilität um die Querachse ist um so kleiner, je weiter der Schwerpunkt (SP) hinten liegt. Sie ist auch von der Differenz der Anstellwinkel (Tragfläche-HLW), der sog. Einstellwinkeldifferenz (EWD) abhängig. Hier werden folgende Fälle unterschieden:
  1. Liegt der SP hinter dem Druckpunkt (DP, rechts), übt der Flügel ein Nickmoment "Nase rauf" auf das Flugzeug aus, das im Gleichgewicht HLW korrigiert werden muss. Querachse 1 Das HLW erzeugt also auch Auftrieb. Dieses Gleichgewicht ist aber nicht zwingend stabil: Bei einer spontanen Nickbewegung Nase runter werden beide Auftriebskräfte kleiner (bei Nase hoch größer). Zur Stagilität des Gleichgewichts werden hier 2 Fälle unterschieden:
  2. Legt man den SP vor den DP, erreicht man einen weiteren Zuwachs an Flugstabilität (rechts). Queracse 2 Der Tragflügel übt somit ein Nickmoment "Nase runter" auf das Flugzeug aus. Im Gleichgewicht muss das HLW somit Abtrieb erzeugen und die EWD ist immer positiv. Hier werden wieder 2 Fälle unterschieden:


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Das Ganze etwas genauer über den Neutralpunkt

Die hier getroffene Annahme, das HLW trägt wohl zur Drehmomentbilanz nicht jedoch zur Kräfte-(Auftriebs-)bilanz bei, führt zu einer kleinen Inkonsistenz, insbesondere mit den unten zitierten Artikeln. Die Annahme begründet sich jedoch mit dem relativ kleinen Beitrag des HLW zum Auftrieb, während trotz kleiner Kraft der Beitrag zur Drehmomentbilanz wegen des langen Hebels zum Schwerpunkt groß ist. Sie genügt jedoch meist zm grundlegenden Verständnis der Flugstabilität. Bei Einbeziehung des HLW in die Auftriebsbilanz ist die Lage des gemeinsamen Druckpunktes jedoch vom Anstellwinkel stark abängig. Dafür beschert uns die lineare Flugphysik den sogenannten Neutralpunkt, um den bei jedem Anstellwinkel die Summe aller Luftkräfte ein konstantes Drehmoment ausübt. Statt eine am wandernden(!) Druckpunkt angreifenden drehmomentfreien (Auftriebs)Kraft und ihr Drehmoment um den Schwerpunkt zu verfolgen, ist es dann einfacher, die Auftriebskraft am (konstant liegenden) Neutralpunkt angreifen zu lassen und das von dort wirkende konstante Drehmoment mit zu berücksichtigen. Weiterhin wird hier jedoch von symmetrisch profilierten TF und HLW ausgegangen, für die Lage der beiden Druckpunkte konstant ist, nicht jedoch die Lage des gemeinsamen Druckpunktes.

Neutralpunkt Die Kraft- und Drehmomentbilanz um den Schwerpunkt bei Nutzung des Neutralpunktes ist dann im Gleichgewicht wie folgt (Skizze):

Bezüglich der Flugstabilität gelten nun folgende Fallunterscheidungen (siehe Gl. 5):


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Mehr zum Thema


Zusammengestellt von Wolfgang Kouker, mit Verbesserungsvorschlägen von Hajo Giegerich, Dirk Lübeck und Rüdiger Zoll in 2003