Flugphysik Home
Flugphysik for Beginners
Inhalt
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Einführung
Auf dieser Seite sollen grundlegende Prinzipien des Fliegens für
Personen beschrieben werden, die Grundkenntnisse der klassischen
Mechanik, besonders der Physik des starren Körpers haben.
Nicht erforderlich sind spezielle Vorkenntnisse der Flugzeugphysik.
Deshalb wird insbesondere nicht eingegangen auf die Wirkung
profilierter Flächen bei der Diskussion der Drehmomentbilanzen.
Auch diesbezüglich weiterführende Texte sind bei
"Mehr zum Thema" augelistet.
Die Liste hat wiederum keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist
auch nur bei Erstellung dieses Textes geprüft worden.
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Schwerpunkt, Bewegung und Kraft
Ein Flugzeug kann weitgehend wie ein beliebiger starrer Körper
betrachtet werden. Für seine Bewegung und die angreifenden Kräfte
spielt der Schwerpunkt eine zentrale Rolle (markiert beim Hammer
rechts mit dem Kreuz):
- Alle Bewegungen können beschrieben werden als Fortbewegung des
starren Körpers als Ganzes (Translation) plus Rotation des Körpers
um sich selbst. Die Rotation findet dabei immer um den Schwerpunkt
statt.
- Entsprechendes gilt für am Körper angreifende Kräfte aller Art.
Kräfte, die eine Rotation des Körpers bewirken, heißen Drehmoment.
- Kräfte, die nicht direkt am Schwerpunkt (F1) angreifen, üben ein
Drehmoment auf den Körper aus, dessen Größe bestimmt ist von der
Größe der Kraft mal dem senkrechten Abstand des Schwerpunktes vom
Angriffspunkt der Kraft (Hebelarm, schwarz gestrichelt).
Besonders die Schwerkraft (grün) übt kein Drehmoment auf den Körper
aus.
Ein starrer Körper hat also 6 sog. Freiheitsgrade (Unabhängige) der
Bewegung: 3 Richtungen im Raum (Translation) und 3 Drehachsen
(Rotation). Die jeweiligen 3 Raumrichtungen und Drehachsen sind
weitgehend beliebig, dürfen nur nicht in einer Ebene liegen. Meist
wählt man sie so, dass sie senkrecht aufeinander stehen.
Am Körper angreifende Kräfte (schwarzer Pfeil rechts) bewirken im
Allgemeinen Beides: eine Rotation und eine Translation. Kenntlich wird
dies durch Aufspalten der Kraft in ein Kräftepaar, welches reine
Rotation auslöst (grün) und eine im Schwerpunkt angreifende Kraft, die
nur Translation bewirkt (blau).
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Tragflügel und Leitwerke
Tragflügel, Seiten- und Höhenleitwerk aber auch Propeller sind Flächen,
die beim Fliegen von Luft umströmt werden und dadurch Auftrieb,
Steuerung und Antrieb sind.
Alle Flächen tun dies nach dem gleichen Prinzip:
Eine schräg in die Strömung gestellte Fläche (rechts) lenkt die
Strömung ab, übt somit eine Kraft auf die Strömung aus.
Die Gegenkraft hierzu ist dann je nach Aufgabe der Fläche der
Auftrieb, Drehmoment zum Steuern oder der Antrieb.
(Mehr zum Auftrieb)
Der Kräfte der Strömung am Flügel sind nicht gleichmäßig über die
Flaeche verteilt
(Kraftfeld), können
aber immer und ohne Einschränkung auf physikalische Eigenschaften des
Flugzeugs durch einen einzigen Kraftvektor, dem Druckpunkt (DP, im
Englischen besser "centre of pressure")
genannt (rot), beschrieben werden.
Dies ist ganz analog zum Schwerpunkt und seiner Eigenschaften eines
beliebigen starren Körpers.
Am DP übt die Strömung insbesondere kein Drehmoment auf den Flügel
aus.
Im Folgenden wird angenommen, dass
- diese Kraft proportional zum
Anstellwinkel ist, was für die meisten Flügelprofile bei kleinen
Winkeln gut erfüllt ist, wenn als Anstellwinkel die Differenz vom
aktuellen Anstellwinkel zum Anstellwinkel ohne Auftrieb genommen
wird.
- Ausserdem wird angenommen, dis Lage des DP sei konstant,
insbesondere bei Anstellwinkeländerungen.
Diese Annahme ist bei allen symmetrischen Profilen auch erfüllt,
gilt jedoch nicht bei asymmetrischen Flächen (siehe
Neutralpunkt).
Im Rahmen dieser Seite bleibt unberücksichtigt, dass es aus
aerodynamischen Gründen vorteilhaft ist die Flächen derart zu
profilieren, dass die Umlenkung der Strömung möglichst widerstandsarm
erfolgt.
Dies betrifft im Modellbau im Wesentlichen den Tragflügel, welcher das
gesamte Flugzeuggewicht aufnimmt, und den Propeller beim
Motorflugzeug.
Die Leitwerke sind meist als "geknickte Platte", Dämpfungsfläche und
Ruder jeweils eine "ebene Platte", ausgeführt (bei
"besseren" Segelflugzeugen nicht mehr).
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Kräfte und Drehmomente am Flugzeug
Anhand der Dreiseitenansicht eines Flugzeugs (rechts) sollen die
wichtigsten Kräfte und Drehmomente, die am Flugzeug angreifen,
erläutert werden:
- Die unvermeidliche
Schwerkraft, die den Flieger unerbittlich am
Schwerpunkt (blaues Kreuz) nach unten zieht, muss
durch den Auftrieb des Tragflügels ausgeglichen werden.
Auftrieb erzeugt der Flügel durch die
Fluggeschwindigkeit, sein Profil und den Anstellwinkel (siehe
Seitenansicht), auf den
später genauer eingegangen wird.
Für den Auftrieb kann wie beim Schwerpunkt ein Referenzpunkt
angegeben werden, der Druckpunkt, der den Nettoangriffspunkt
der Auftriebskraft ist.
Damit der Auftrieb nur die Schwerkraft kompensiert und nicht
zusätzlich ein
Drehmoment auf das Flugzeug ausübt, muss das
Flugzeug so aufgebaut werden, dass Schwerpunkt und Druckpunkt
zusammenfallen (nahe beieinander liegen, siehe hierzu auch
Flugstabilität).
- Wichtige Kräfte sind noch die Antriebs- und Reibungskraft,
worauf hier nicht eingegangen wird, es wird Balance angenommen.
- Drehmomente aller Art wirken auf das Flugzeug durch
atmosphärische Turbulenz ein. Weiterhin werden über die
Ruder an den Flügeln zum Ausgleich und Steuern
Drehmomente erzeugt. Hierbei wird mit dem Seiten-, Höhen-, und
Querruder jeweils ein Drehmoment um die Hoch-(grün), Quer- (rot) und
Längsachse (blau) erzeugt.
Wegen des langen Hebelarms der Ruder zum
Schwerpunkt sind nur kleine Kräfte zur Erzielung
des gewünschten Drehmomentes erforderlich, so dass
Translationskräfte durch die asymmetrisch zum Schwerpunkt
angeordneten Ruder vernachlaessigbar sind.
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Steuern eines Flugzeugs
Im Abschnitt
Kräfte ...
wurde gezeigt, dass das Lenken eines Flugzeugs nicht alleine durch
Ruderausschläge am Leitwerk erfolgt, da diese zunächst ein Drehmoment
verursachen, dass das Flugzeug um seinen
Schwerpunkt dreht, zunächst ohne die Flugrichtung zu
ändern. Hier geht es nun darum, wie ändert sich die Flugrichtung?
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Das Auf und Ab
Steigen und Sinken sind die einfachsten Lenkbewegungen (Oben).
Zieht der Pilot in Geradeausflug am Höhenruder (links), dreht sich das
Flugzeug um die Querachse, ohne seine Flugrichtung (roter Pfeil) zu
ändern (mitte).
Dadurch erhöht sich der Anstellwinkel am Tragflügel (d.i., er wird
stärker von "unten" angeströmt), wodurch sich der Auftrieb erhöht und
das Flugzeug nach oben steigt (rechts).
Da der erhöhte Anstellwinkel beim Steiglug mehr Widerstand erzeugt,
wird zum Ausgleich entweder die Motorleistung erhöht oder Fahrt geht
verloren.
Wird das Höhenruder gedrückt, geschieht genau das Gegenteil, also
Sinken.
Hierbei kann sich erneut ein Gleichgewichtsflug einstellen, bei dem
i.d.R. jedoch die Flugrichtung nicht parallel zur Längsachse ist,
sondern wie im unteren Bild angedeutet, das Flugzeug mit erhöhtem
Anstellwinkel und leicht gezogenem Höhenruder fliegt (schiebt).
Besonders deutlich ist dies Flugbild bei einem vollgeladenem
Passagierflugzeug am Start: Hier wird ein extremer Anstellwinkel
eingestellt, der strömungstechnisch nur durch starke Profilveränderung
am Tragflügel möglich ist, um Abheben bei relativ niedriger
Geschwindigkeit aber großem Anstellwinkel zu
ermöglichen.
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Die Kurve: 1. So nicht!
Wird in Analogie zum
Auf und Ab
das Seitenruder betätigt, geschieht im Allgemeinen zunächst nicht
viel, ausser das Flugzeug dreht sich um die Hochachse. Die
Flugrichtung bleibt und das Flgzeug "giert", weil es am Flugzeug
nichts vergleichbares zur Tragfläche beim
Auf und Ab gibt,
was die beim Kurvenflug auftretenden Zentralkräfte aufnimmt.
2-Achs gesteuerte Modellflugzeuge ohne Querruder haben zur
Unterstützung des Kurvenfluges entweder eine stark
v-förmige oder eine
gepfeilte Tragfläche.
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Die Kurve: 2. Der Klassiker
Da es mit dem Seitenruder nun mal nicht getan ist,
wird bei der klassischen Kurve das
Auf und Ab vorgetäuscht:
Zunächst wird das Flugzeug mit dem querruder schräg gestellt (Rollen).
Als unerwünschte Nebenerscheinung erzeugt das Querruder zusammen
mit Auftrieb auch ein Drehmoment um die Hochachse, das
Rollgiermoment.
Die Schwerkraft und Auftriebskraft alleine (rote Pfeile) heben sich
nun nicht mehr auf, sie wollen das Flugzeug über die nach unten
hängende Fläche abrutschen lassen.
Wird nun am Höhenruder gezogen, wird die nun schräg zeigende
Auftriebskraft erhöht (siehe
Auf und Ab), wodurch
sowohl das Abgleiten über die nach unten zeigende Fläche verhindert
wird wie auch durch die nach innen zeigende Komponente eine Kurve
eingeleitet wird.
Im Gleichgewicht der sauber geflogenen Kurve wird daher die
Schwerkraft und Zentrifugalkraft des Kurvenfluges (grün) durch die
Auftriebskraft ausgeglichen.
Die Schräglage des Flugzeugs zum Kurvenflug ist also genauso notwendig
wie beim Fahrradfahren. Im Folgenden werden 2 Varianten vorgestellt,
die dies indirekt bewirken.
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Die Kurve: 3. Die V-Form der Tragfläche
Besonders Flugmodelle haben oft eine ausgeprägte V-Form in der
Tragfläche. Betrachtet man den Flügel genau von vorn, sieht er aus wie
oben links. Hier ist die gelbe Fläche die durch den Anstellwinkel
sichtbare Flügelunterseite, die Nasenleiste ist als rote Linie
angedeutet.
Wird der Fluegel nun um die Hochachse (grüner Pfeil) mit der Nase nach
rechts
gedreht und das Flugzeug beginnt zu gieren (siehe
so nicht), sieht der Flügel aus der
Flugrichtung betrachtet aus, wie im Bild rechts: Der in Blickrichtung nach
rechts zeigende Flügel hat gegenüber der anströmenden Luft
(Blickrichtung) einen größeren Anstellwinkel, wodurch das Flugzeug ein
Rollmoment nach rechts in Flugrichtung erfährt, wonach wie beim
Klassiker die Kurve geflogen wird.
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Die Kurve: 4. Gepfeilte Tragflächen
Sind die Tragflächen gepfeilt, wird das Seitenruder betätigt und das
Flugzeug beginnt zu gieren, stellt die kurvenäußere Fläche in
Strömungsrichtung eine größere Spannweite in die Strömung als die
Innenliegende. Damit erhält das Flugzeug wieder ein Rollmoment nach
links wonach die weitere Kurve wie beim
Klassiker geflogen wird.
Die Stärke des Effektes ist jedoch nicht nur durch die Pfeilung
bestimmt sondern auch vm aktuellen Auftrieb abhängig.
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Flugstabilität, auch Aerodynamische Stabilität
In der Physik ist ein System im stabilen Gleichgewicht, wenn es
selbsttätig bei (kleinen) Auslenkungen vom Gleichgewicht wieder zum
Gleichgewichtszustand zurückkehrt.
Bei Flugzeugen gilt dies für spontane Drehbewegungen um alle Achsen sowie die
Fluggeschwindigkeit (Translation vor-, zurueck).
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Drehungen um die Hochachse
Dreht sich ein Flugzeug spontan, d.h. ohne Seitenruderausschlag um die
Hochachse, ändert sich die Flugrichtung nicht, so dass das Setenruder
seitlich angestroemt wird und das Flugzeug wieder gerade dreht (siehe
Abschnitt
Die Kurve, so nicht).
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Drehungen um die Längsachse
Dreht sich ein Flugzeug spontan um die Längsachse (Rollen),
stabilisiert die V-Form des Tragflügels:
- Hierdurch wird die effektiv tragende Fläche
der hängenden Flügelhälfte größer als die der nach oben geneigten
Flügelhälfte (rechts).
Wegen der
Unterstützung des Kurvenfluges
und dieser stabilisierenden Wirkung haben im Modellbau
Anfängerflugzeuge oft eine ausgeprägte V-Form.
Dort wird dann auch auf das Querruder verzichtet.
- Das Flugzeug gleitet über die hängende Fläche seitlich nach unten
ab (siehe
Die Kurve: 2. Der Klassiker), wodurch das
Flugzeug eine seitliche Anströmkomponente bekommt. Hierdurch erzeugt
der hängende Flügel durch Anstellwinkelerhöhung wie bei
Die Kurve: 3. Die V-Form der Tragfläche mehr
Auftrieb, das Flugzeug wird zurückgedreht.
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Die Querachse und die Fluggeschwindigkeit
Hier wird zunächst angenommen, das Höhenruder trägt zwar zur
Drehmomentbilanz nicht jedoch zur Auftriebsbilanz bei.
Begründet wird dies durch die kleine Auftriebskraft des HLW im
Verhältnis zum TF,
die jedoch wegen des langen Hebelarmes zu vergleichbaren Drehmomenten
führt.
Die Flugstabilität um die Querachse ist um so kleiner, je weiter der
Schwerpunkt (SP) hinten liegt. Sie ist auch von der Differenz der
Anstellwinkel (Tragfläche-HLW), der sog. Einstellwinkeldifferenz (EWD)
abhängig.
Hier werden folgende Fälle unterschieden:
-
Liegt der SP hinter dem Druckpunkt (DP, rechts), übt der
Flügel ein Nickmoment "Nase rauf" auf das Flugzeug aus, das im
Gleichgewicht HLW korrigiert werden muss.
Das HLW erzeugt also auch Auftrieb.
Dieses Gleichgewicht ist aber nicht zwingend stabil:
Bei einer spontanen Nickbewegung Nase runter werden beide
Auftriebskräfte kleiner (bei Nase hoch größer). Zur Stagilität des
Gleichgewichts werden hier 2 Fälle unterschieden:
- Ist die EWD > 0,
so ist die spontane Nickbewegung stabil, weil bei gleicher
Winkeländerung die geringer angestellte Fläche (hier HLW) eine
relativ größere Winkeländerung
erfährt als die höher angestellte
Fläche (hier der Flügel). Das Drehmoment des HLW ändert sich also
schneller mit Drehen des Flugzeugs als das des Flügels.
- Wird der SP noch weiter zurückverlegt, so
muss die EWD < 0 justiert werden.
Das Nickmoment des Flügels ändert sich dann schneller als das des
HLW und das Flugzeug wird instabil:
Die spontane Bewegung "Nase rauf" wird durch den stärker
wachsenden Auftrieb am Flügel als am HLW verstärkt und umgekehrt.
-
Legt man den SP vor den DP, erreicht man einen weiteren Zuwachs an
Flugstabilität (rechts).
Der Tragflügel übt somit ein Nickmoment "Nase runter" auf
das Flugzeug aus.
Im Gleichgewicht muss das HLW somit Abtrieb erzeugen und die EWD ist
immer positiv. Hier werden wieder 2 Fälle unterschieden:
-
Bei kleinen Abständen des SP vom Druckpunkt wird sich jedoch ein
Gleichgewicht zwischen den beiden Nickmomenten einpendeln, woraus ein
stabiler Flug entsteht: Eine spontane Nickbewegung des
Flugzeugs ohne Richtungsänderung erzeugt Netto ein Gegenmoment
entweder des HLW oder des Flügels.
Bei gleichem SP und EWD ändert sich die Drehmomentbilanz nicht bei
Geschwindigkeitserhöhung, denn Auf-(Ab-)trieb und die
Drehmomente ändern sich in gleichem Verhältnis. Da sich der
Auftrieb des Flügels jedoch vergrößert, muss der Anstellwinkel
verringert werden, was durch eine Verkleinerung der EWD (=Drücken
am HLW) erreicht wird.
Je weiter bei gleicher EWD der SP nach vorn geschoben wird, desto
größer ist die zugehoerige Gleichgewichtsgeschwindigkeit:
Der Auftrieb ist gleich dem Gesamtgewicht, somit das Nickmoment
des Flügels wegen Vergrößerung des Hebelarms größer. Wegen der
relativ geringeren Verlängerung
des HLW Hebelarms ändert sich das Nickmoment HLW geringer.
Somit wird das Flugzeug zum Erreichen eines Gleichgewichts die
Nase leicht runter drehen, weshalb der Flügel einen geringeren
Anstellwinkel gegen die Strömung bekommt und das Flugzeug eine
größere Geschwindigkeit benötigt, um den nötigen Auftrieb zu
erzeugen.
Dies ist die Standardkonfiguration eines Flugzeugs.
-
Bei sonst gleichen Bedingungen gibt es einen kritischen Abstand
SP-Druckpunkt,
wonach es dem negativen Nickmoment des HLW nicht mehr möglich ist,
das Nickmoment "Nase runter" des Tragflügels auszugleichen:
Das Flugzeug wird kopflastig. Dies kann durch ständiges
Ziehen(=Vergrößern der EWD) ausgeglichen werden.
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Das Ganze etwas genauer über den
Neutralpunkt
Die hier getroffene Annahme, das HLW trägt wohl zur Drehmomentbilanz
nicht jedoch zur Kräfte-(Auftriebs-)bilanz bei, führt zu einer kleinen
Inkonsistenz, insbesondere mit den unten zitierten Artikeln.
Die Annahme begründet sich jedoch mit dem relativ kleinen Beitrag des
HLW zum Auftrieb, während trotz kleiner Kraft der Beitrag zur
Drehmomentbilanz wegen des langen Hebels zum Schwerpunkt groß ist.
Sie genügt jedoch meist zm grundlegenden Verständnis der
Flugstabilität.
Bei Einbeziehung des HLW in die Auftriebsbilanz ist die Lage des
gemeinsamen Druckpunktes jedoch vom Anstellwinkel stark abängig.
Dafür beschert uns die lineare Flugphysik den sogenannten
Neutralpunkt,
um den bei jedem Anstellwinkel die Summe aller Luftkräfte ein
konstantes Drehmoment ausübt.
Statt eine am wandernden(!) Druckpunkt angreifenden drehmomentfreien
(Auftriebs)Kraft und ihr Drehmoment um den Schwerpunkt zu verfolgen,
ist es dann einfacher, die Auftriebskraft am (konstant liegenden)
Neutralpunkt angreifen zu lassen und das von dort wirkende konstante
Drehmoment mit zu berücksichtigen.
Weiterhin wird hier jedoch von symmetrisch profilierten TF und HLW
ausgegangen, für die Lage der beiden Druckpunkte konstant ist, nicht
jedoch die Lage des gemeinsamen Druckpunktes.
Die Kraft- und Drehmomentbilanz um den Schwerpunkt bei Nutzung des
Neutralpunktes ist dann im Gleichgewicht wie folgt (Skizze):
- Die Schwerkraft (blaues Kreuz) bewirkt kein Drehmoment (blau).
- Der Auftrieb, angesetzt am Neutralpunkt, gleicht die Schwerkraft
aus und übt über den Abstand (NP-SP) ein Drehmoment aus
(Beim Geradeausflug -M0, Nase runter)
- Zusätzlich wirkt das durch die Strömung am NP ansetzende
konstante Drehmoment M0, dass jenes durch den
Auftrieb erzeugte kompensiert (Nase hoch)
- Der Druckpunkt (DP, kein Drehmoment durch die Auftriebskräfte)
liegt damit im Schwerpunkt (SP).
Bezüglich der Flugstabilität gelten nun folgende Fallunterscheidungen
(siehe Gl. 5):
- Ist M0 < 0 (EWD > 0,
Skizze, Nase hoch)
und SP vor NP ist der Flug stabil: Eine spontane
Nickbewegung (Nase runter) ändert den Auftrieb durch
Anstellwinkeländerung (verringert), wodurch das Drehmoment durch den
Auftrieb (Nase runter) reduziert wird, und das Flugzeug durch das
konstant bleibende M0 wieder zurückdreht. Liegt der
SP hinter dem NP, ist der Flug instabil.
Rückt der SP weiter vor, muss der DP folgen, um einen
Geradeausflug möglich machen zu können. Der Flieger wird
dann mit niedrigerem Anstellwinkel und dann erforderlicher
größerer Geschwindigkeit fliegen.
Eine prinzipielle Vordergrenze des SP gibt es mit dieser Argumentation
alleine nicht, weil die Lage des DP bei Verringerung des
Anstellwinkels ins Unendliche rückt. In der Praxis liegt die
erreichbare Vordergrenze somit bei der erreichbaren Fluggeschwindigkeit.
- Ist M0 >0 (EWD < 0), wird
der Flug instabil: eine Änderung des Anstellwinkels übt ein
Drehmoment um die Querachse aus, diesen weiter zu
vergrößern.
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Mehr zum Thema
Zusammengestellt von
Wolfgang Kouker, mit Verbesserungsvorschlägen von Hajo
Giegerich, Dirk Lübeck und Rüdiger Zoll in 2003